Die offene Rechnung – 10 Kilometer unter 55 Minuten
Manche Challenges entstehen spontan.
Man hat eine bescheuerte Idee, erzählt anderen Menschen davon und stellt anschließend fest, dass man jetzt leider liefern muss.
Und dann gibt es Challenges, die einen über Jahre begleiten.
10 Kilometer unter 55 Minuten gehören bei mir eindeutig zur zweiten Kategorie.
Dieses Ziel steht schon lange auf oliver-macht-sport.de. Ich habe Trainingspläne gemacht, Termine festgelegt, Termine verschoben, neu angefangen und zwischendurch vermutlich mehr darüber geschrieben, 10 Kilometer unter 55 Minuten laufen zu wollen, als tatsächlich 10 Kilometer unter 55 Minuten zu laufen.
Kurz gesagt:
Da ist noch eine Rechnung offen.
Am 21. November soll sie endlich bezahlt werden.
5:30 Minuten pro Kilometer
Die Aufgabe ist schnell erklärt.
10 Kilometer.
Maximal 55 Minuten.
Das bedeutet über die gesamte Distanz einen durchschnittlichen Kilometer in 5 Minuten und 30 Sekunden.
Für einen guten Läufer ist das keine besonders bemerkenswerte Zeit.
Für mich schon.
Laufen war nie meine große sportliche Stärke. Ich bin gerne aktiv, kann mich stundenlang durch den Taunus quälen und habe eine bemerkenswert hohe Toleranz gegenüber sportlichen Ideen, deren Sinn sich Außenstehenden nicht unmittelbar erschließt.
Aber schnell laufen?
Sagen wir es so:
Wir mussten erst eine Beziehung zueinander aufbauen.
Und diese Beziehung war nicht immer harmonisch.
Diesmal ist etwas anders
In diesem Sommer habe ich regelmäßig trainiert.
Und zwar auch dann, als die Temperaturen zeitweise eher dafür sprachen, bewegungslos neben einem Ventilator zu liegen und jede unnötige Muskelkontraktion zu vermeiden.
Ich bin trotzdem gelaufen.
Nicht immer so schnell, wie Garmin es gerne gehabt hätte. Nicht jede vorgeschlagene Einheit war bei der Hitze sinnvoll. Aber ich bin drangeblieben.
Woche für Woche.
Und inzwischen merke ich den Unterschied.
Das Tempo steigt. Die Belastung fühlt sich anders an. Geschwindigkeiten, die vor einiger Zeit noch ziemlich unangenehm waren, werden kontrollierbarer.
Aus einem theoretischen Ziel ist langsam ein realistisches geworden.
Und Garmin glaubt inzwischen auch daran
Meine Garmin Fenix 8 Pro hat die Sache mittlerweile offiziell übernommen.
Der kleine Diktator an meinem Handgelenk bereitet mich aktuell gezielt auf einen 10-Kilometer-Lauf am 21. November vor.
Und Garmin liefert natürlich Zahlen.
Meine derzeitige 10-Kilometer-Prognose:
58:38 Minuten.
Die Prognose für den 21. November:
54:47 Minuten.
Das ist bemerkenswert.
Nicht, weil Garmin die Zukunft vorhersagen könnte.
Kann sie nicht.
Aber zum ersten Mal liegt die berechnete Zielzeit genau dort, wo ich hinwill.
13 Sekunden unter 55 Minuten.
Das ist kein komfortabler Sicherheitsabstand.
Das ist eher die sportliche Variante davon, mit einem Außenspiegel Abstand an einer Betonwand vorbeizufahren.
Aber es reicht.
Zumindest mathematisch.
3 Minuten und 38 Sekunden fehlen noch
Aktuell fehlen zwischen Prognose und Ziel noch 3 Minuten und 38 Sekunden.
Oder anders ausgedrückt:
knapp 22 Sekunden pro Kilometer.
Das ist nicht wenig.
Aber es ist auch keine andere Welt mehr.
Und genau das verändert diese Challenge für mich.
Früher war „10 Kilometer unter 55 Minuten“ ein Ziel, von dem ich wusste, dass ich es mit genügend Training irgendwann erreichen könnte.
Jetzt kann ich es sehen.
Es ist noch ein Stück entfernt.
Aber es ist in Reichweite.
Der 21. November
Bis dahin wird weiter trainiert.
Keine Wunderprogramme. Keine hektischen Gewaltaktionen in den letzten Wochen. Und hoffentlich auch keine brillante Idee, drei Tage vorher noch schnell irgendeine völlig andere Challenge einzubauen.
Einfach weiterlaufen.
Die Einheiten machen.
Gesund bleiben.
Und darauf vertrauen, dass die vielen Kilometer dieses Sommers ihren Zweck erfüllt haben.
Dann kommt der 21. November.
Und irgendwann an diesem Tag werde ich meine Garmin starten.
Zehn Kilometer später werde ich sie wieder stoppen.
Dazwischen liegen 55 Minuten.
Oder, wenn alles funktioniert:
ein paar Sekunden weniger.
Nach all den Anläufen, Verschiebungen und Neustarts wäre das vielleicht gar nicht meine spektakulärste Challenge.
Aber möglicherweise eine meiner schönsten.
Denn manchmal besteht die eigentliche Herausforderung nicht darin, sich ein neues, immer größeres Ziel zu suchen.
Manchmal geht es einfach darum, eine alte Rechnung endlich zu begleichen.
10 Kilometer.
55 Minuten.
21. November.
Diesmal wird gelaufen.
Euer Oliver
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